Zoo Berlin | lukrativer als Deutsche Bank und SAP

Zoo BerlinAlle paar Jahre wieder werden die Aktien des Zoologischen Garten Berlin durch Finanzblätterwald gejagt. Momentan ist es eher ruhiger um die Zoo-Aktie. Das war jedoch Anfang 2015 anders. Der Zoologische Garten Berlin bzw. dessen Aktien füllte die Zeilen diverser Gazetten, besonders in der Hauptstadt. Grund des medialen Interesses an der Zoo-Aktie waren aber nicht etwa Kaufempfehlungen, sondern eine Studie von Monika Schmidt, welche im Dezember 2014 als Buch mit dem Titel „Die jüdischen Aktionäre des Zoologischen Gartens zu Berlin: Namen und Schicksale“ veröffentlicht wurde und sich mit der Zwangsenteignung jüdischer Zoo-Aktionäre während der NS-Zeit befasst. Die Gerüchteküche brodelte machen Orts so heiß, dass es zuweilen hieß, aufgrund der Nachvollziehbarkeit der Besitzverhältnisse der Namensaktien durch das Aktienbuch, könnten die aktuellen Aktionäre gezwungen sein, ihre Aktien an die Erben der damals Zwangsenteigneten zurückzugeben. Dem ist jedoch nicht so, weil dazu die rechtlichen Bedingungen fehlen. Für eine „moralische“ Wiedergutmachung hingegen scheint es derzeit an Ideen zu mangeln.

Die insgesamt nur 4.000 ausgegebenen Aktien des Zoologischen Gartens Berlin sind eingeteilt in 3.000 Namensaktien mit (WKN: 503180 ISIN: DE0005031801), und 1.000 Namensaktien ohne Aquarium (WKN: 503186 ISIN: DE0005031868). Mit einen Kurswert von derzeit rund 4.000 EUR/Aktien gehören sie zu den teuersten Aktien der Welt, was jedoch nicht über deren Bewertung aussagt. Nur Warren Buffett´s Berkshire Hathaway und die Namensaktien und Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli sind mit rund 200.000 U$ respektive 70.000 bzw. 6.000 chf pro Aktie nominal teurer. Gegen eine einmalige Zahlung von € 38,35 können Aktionäre, so die freundliche Auskunft, ihre Aktien ohne Aquarium in Aktien mit Aquarium umwandeln lassen, was vermutlich mit den begehrten Dauerkarten zu tun hat. Doch dazu später mehr.

Eine fundamentale Betrachtung der Zoo-Aktie verbietet sich, da der Zoologische Garten Berlin keine nach Gewinn strebende Unternehmung ist, sondern gemeinnützige Ziele verfolgt, wie §2(2) der Satzung her gibt. Sicher kann man versuchen, wie bei McDonalds, die der Gesellschaft zuzurechnen Immobilien zu Bewerten. Doch ist diese Unterfangen recht müßig, da dazu sicher sein muss, dass dem Zoo auch sämtliche genutzten Immobilien rechtlich zuzurechnen sind, und nicht davon ausgegangen werden darf, dass diese jemals in irgendeiner Form zur Disposition stehen. Auch hierzu findet die Satzung deutliche Worte. Sie spricht nämlich von “ vom Staat zur Nutzung überlassenen Flächen des ehemaligen Fasanengartens und des Tiergartens zu Berlin.“ Andererseits werden aber auch 19,5 Mio. Euro für Grundstücke und Bauten bilanziert.

Eine Inventur der Zoo-Bewohner ist ebenfalls nicht zielführend, da die Bewertung schwerfallen dürfte. Bleiben also die gastronomischen Einrichtungen und Eintrittsgelder versus Betriebskosten, inkl. Futter etc des Zoologischen Gartens Berlin, welcher dem Bahnhof-Zoo seinen Namen gab, dem daran angeschlossenen Aquarium, sowie des Tierpark Berlin-Friedrichsfelde.

Ein Blick in den Geschäftsbericht 2014 gibt dann folgendes Bild:

„Das Geschäftsjahr 2014 schließt mit einem Ergebnis
der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von rd.
3,568 Mio. € und mit einem Jahresüberschuss in
Höhe von rd. 3,514 Mio. €, der damit fast doppelt so
hoch ist wie im Jahr 2013 (Vj.: 1,764 Mio. €).
Im Wesentlichen konnte dieses Ergebnis durch
eine signifikante Erhöhung der Gesamtleistung
(+ rd. 1,964 Mi o. € + 8 %) und einer gleichzeitigen
Stabilisierung der Aufwendungen annähernd auf
Vorjahresniveau erreicht werden.“
Aquarium Berlin
„Die Gesellschaft weist zum Bilanzstichtag ein
Gesamtvermögen in Höhe von 65,012 Mio. € aus
(Vj.: 60,849 Mio. €).“

Soweit Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem zum Geschäftsjahr 2014.

Ausgewählte Kennzahlen:
Grundstücke und Bauten für rund 19,5 Mio Euro
Eigenkapital 48,6 Mio. Euro
Bilanzsumme 65 Mio Euro
Jahresüberschuss 3.514.248,39 Euro (Vj.. 1.763.836,60)
Buchwert/Aktie* 12.150 Euro
KGV* 2014 4,6

*vereinfacht gerechnet mit 4.000 Aktien zum Kurs von 4.000 Euro/Aktie

Betriebswirtschaftlich wäre die Berliner Zoo-Aktie auf den ersten Blick ein Schnäppchen, mit einem KGV von 4,5 bei einem Gewinnwachstum von rund 100%, und mit einem Buchwert, der drei mal so hoch ist wie der aktuelle Aktienkurs. Allerdings bezieht der Zoo auch Einnahmen aus Spenden und anderen Zuwendungen, die einen normalen Gewerbebetrieb nicht zur Verfügung stehen und kann von Privilegien, wie z.B. der Steuerfreiheit wegen seiner Gemeinnützigkeit profitieren.

Der ausgewiesene Gewinn dient einzig den Zwecken Tierzucht, Tierschutz, Bildung und Forschung und der Erhaltung und Verbesserung des Zoologischen Gartens. Etwaige Vermögenswerte stehen nicht zur Disposition. Und so ist und bleibt die Aktie des Zoologischen Garten Berlin das, was sie schon immer war: ein Liebhaberpapier – das, aufgepasst! – nicht über jeden Online-Broker zu ordern ist, da für die Zoo-Aktie die sogenannte Streifbandverwahrung Anwendung findet, welche nicht überall angeboten wird.

Unter diesen Umständen ist es um so erstaunlicher, das Anleger mit der Liebhaber-Aktien des Berliner Zoos in den letzten zehn Jahren besser fuhren, als etwa mit der „großen“ Deutschen Bank oder dem Börsenliebling SAP.

Zoo Chart

Chart: Market Maker | Zoologischer Garten Berlin vs. Deutsche Bank vs. SAP über 10 Jahre

Der Zoologische Garten Berlin ist mit seiner Eröffnung 1844 zwar der älteste Zoo Deutschlands, aber nicht der einzige mit Börsennotiz bzw. Aktien. Der Tierpark München Hellabrunn ist ebenfalls Börsennotiert, genauso wie der Schweizer Zoo Zürich. Der Kölner Tierpark gibt Aktien ohne Börsennotiz heraus.

Schlussendlich noch zum Thema Dauerkarten. Die Aktionäre des Zoologischen Garten Berlin können, unabhängig von der Anzahl ihrer Aktien, für sich und zwei weitere Personen, also insgesamt drei Personen, eine Dauereintrittskarte beantragen. Diese gilt, solange man im Besitz der Aktien ist. Es ist dabei egal, ob der Aktionär eine natürliche oder juristische Person ist und ob er 100 oder nur eine Aktie hat. Die Dauereintrittskarte, nicht zu verwechseln mit einer Jahreskarte, kostet bis Juni 2016 einmalig 575 EUR, kann vererbt aber nicht weitergegeben werden. Alle weiteren Details dazu findet man in leicht verständlicher Form in der „Durchführungsbestimmungen zur Regelung des Dauereintrittsrechtes in zoologische Einrichtungen der Zoologischer Garten Berlin AG“ – ein tierisch langer Name für ein Dokument.

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Image: Zoologischer Garten Berlin AG