Märkte hängen zwischen Baum und Borke

Folgt der Bärenfalle nun die Bullenfalle? Nach dem sich manch Anleger, der Autor eingeschlossen, beim Ausverkauf letzte Woche zwecks Begrenzung der Verluste gezwungen sah, die Reißleine zu ziehen und verlustreiche Positionen zu veräußern oder Gewinne mitzunehmen, konnte man sich im Nachgang gar nicht so schnell umorientieren, wie die Kurse wieder anstiegen. Eine typische Bärenfalle im Bullenmarkt? Oder ist die derzeitige Rally nur eine technische Reaktion auf die Verkaufspanik der letzten Woche, nach welcher es dann wieder mit Kursverlusten weiter geht?

Fundamental sehen die Bewertungen vieler Titel derzeit blendend aus. Allerdings sind etwaige Belastungen für die Konjunktur, für die Exporterlöse etc. in die Gewinnerwartungen der einzelnen Unternehmen in den meisten Fällen noch gar nicht berücksichtigt, so dass künftige Gewinne pro Aktien, Kurs-Gewinn-Verhältnisse oder Dividendenrenditen derzeit mehr zu versprechen scheinen, als sie dann letztendlich zu liefern fähig sind.

Aus technischer Sicht haben die Märkte nun zwar eine deutliche Abkühlung erfahren, liefern aber derzeit meist noch keine nachhaltigen Einstiegssignale, da der Basistrend bzw. tragfähige Unterstützungslinien oft noch zehn, zwanzig oder mehr Prozent unter dem derzeitig erreichten Kursniveau liegen. Nur weil ein Kurs mal zehn oder zwanzig Prozent gefallen ist, heißt dies noch lange nicht, dass die Aktie jetzt billig ist, oder gar sofort wieder steigen muss.

Ein klassisches Einstiegsszenario sieht anders aus. Derzeit hängen die Kurse irgendwo zwischen Baum und Borke und es gilt für jeden einzelnen Investor abzuwägen, ob er besser mit entgangenen Gewinnen, oder mit erlittenen Verlusten leben kann.

Dieser Artikel erschien zuvor als Kommentar zum five-alive wikifolio