Michael Dell | Play Nice But Win

Here comes Michael… Die neue Biografie „Play Nice But Win“ von Michael Dell, erschienen im Oktober 2021 (Englische Erstausgabe), ist herrlich erfrischend und unterhaltsam geschrieben.

DirectFromDELLGanz im Gegensatz zu seiner ersten Biographie „Direct from Dell“, damals noch mit Co-Authorin Catherine Fredman, welche aus meiner Erinnerung heraus eher Sachlich formuliert, auf die Strategie und deren Umsetzung bei Dell in den 1990er Jahren einging und wenig Persönliches preisgab. Das wagte sich Michael Dell, wie er im aktuellen Buch sagt, damals noch nicht.

Das aktuelle Buch gibt Einblick in das Seelenleben eines der erfolgreichsten IT-Entrepreneure unserer Zeit und beschreibt seinen Weg vom Existenzgründer (Start-Up) in der Studentenbutze zu einem Weltmarktführer im IT-Sektor.

Dell verschont uns weitestgehend mit Fachchinesisch, lässt dafür aber Einblicke in sein Seelenleben zu, die oft amüsant, mindestens bemerkenswert, mithin aber auch schon mal berührend sind.

Zu den ohne Frage amüsanten Passagen gehört die Beschreibung seiner äußeren Wirkung auf seine spätere Ehefrau Susan beim ersten Date – was der Leser durchaus nachvollziehen kann, schaut er sich die Bilder im Mitteteil des Buches an, die u.a. auch den jungen Michael Dell der Gründerzeit zeigen – mehr wird nicht verraten.

Eher beklommen nimmt der Leser zur Kenntnis, dass auch CEOs von Weltkonzernen letztendlich auch nur Menschen, in diesem Fall nur Söhne sind. Man lernt von der Verlustangst des Protagonisten um seine Mutter, die Sorge und den Abschied. Eine entwaffnende Offenheit, die man so in einem solchen Buch kaum erwartet, die dem Buch aber gut tut.

Der Umgang mit der anfänglichen Enttäuschung der Eltern über seine Karrierepläne liest sich ebenso interessant, wie der Kampf ums Going Private, der sich wie ein roter Faden durch einen Großteil des Buches zieht.

playNiceButWinAbsolute Leckerbissen sind aber die Passagen über Carl Icahn oder das Wall Street Journal. Letzteres kommt hier schon mal als Wendehals rüber und erstgenannten wird zur Abwechslung mal nicht als der schillernde Corporate Raider beschrieben, sondern als der Gierschlund der er ist, eines der Rollenvorbilder für Gordon Gekko, dem Protagonisten in Oliver Stones legendären Börsenepos Wallstreet. Michael Dell findet hier sehr klare Worte und er verrät dem Leser auch schon mal, was er wirklich dachte bei der ein oder anderen Äußerung, oder wie es dazu gekommen ist. Ein schönes Beispiel dafür ist sein berühmtes Statement zu Apple: „I’d shut the Company down and give the money back to the Shareholder“. Wie es dazu kam und wie das bei Steve Jobs ankam…lesen Sie auf Seite 221.

Alles im allen eine unterhaltsame Biographie, offen und ehrlich ohne Selbstbeweihräucherung, aber dafür mit Mut zur Selbstironie – und auch auf Deutsch erhältlich.

Fotos: Karsten Koos