mobilezone | die schweizer freenet?

Die Schweizer mobilezone AG ging im Mai 1999 als Wiederverkäufer von Mobilfunkverträgen an den Start. Bereits ein Jahr später folgte die Diversifizierung in Richtung Festnetztelefonie. Heute steht das Geschäft von mobilezone auf mehreren Säulen: So werden unter anderem Mobilfunkverträge und Prepaid-Angebote für Orange, Sunrise und Swisscom vertrieben. Außerdem vermarktet mobilezone als Mobile Virtual Network Operator (MVNO) die Eigenmarke TalkTalk und verkauft Handys, Smartphones, sowie das passende Zubehör dafür – unter anderem durch eine Vertriebsvereinbarung mit Apple. Abgerundet wird das Angebot durch einen Reparaturservice über die Firma Mobiletouch, die auch in Österreich aktiv ist und seit neustem auch den Support für Canon-Geräte übernimmt. Dazu offeriert mobilezone Internetzugänge und Pay-TV-Angebote diverser Anbieter.

mobilezone

Wem das bekannt vorkommt, der muss nicht lange grübeln. Es ist – bis auf ein paar Nuancen – das Geschäftsmodell von freenet. Auch die Büdelsdorfer haben damals unter Gerhard Schmitt, 1991, mit MobilCom, dem Vorläufer der freenet AG, als Wiederverkäufer von Handyverträgen begonnen und ihr Angebot Zug um Zug ausgebaut. Im März 2007 fusionierte die 1999 gegründete Internettochter Freenet.de AG mit der Muttergesellschaft MobilCom AG zur jetzigen freenet AG.

mobilezone

Heute umfasst das Angebot von freenet neben den Vertrieb der Eigenmarken Klarmobil und Callmobile als MVNO sowie dem Verkauf von Verträgen und Prepaidkarten für T-Mobile, Vodafone, ePlus und O2, auch Breitbandkabel, Handy-Zubehör, Apple-Produkte und Öko-Strom. Digitaler Lifestyle mit Smartphones und Tablets stehen bei den Norddeutschen im Mittelpunkt. Ein Beispiel dafür ist das Projekt “SmartHome”, welches den Nutzern die mobile Heizungssteuerung von Unterwegs erlaubt. Weitere ähnliche Angebote sollen folgen.

Doch es gibt nicht nur Parallelen zwischen den beiden Mobilfunkspezialisten. Für Börsianer ganz offensichtlich: Der unterschiedliche Chartverlauf in der jüngsten Vergangenheit. Hier hat freenet klar die Nase vorn. Während der Kurs des TecDAX-Werts in den vergangenen zwei Jahren auf das Doppelte gestiegen ist, dümpeln die Valoren (schweizerisch für Aktie) der mobilezone AG seit dem in einer Tradingrange zwischen 7,00 und 8,60 Euro – trotz üppiger Dividende von derzeit 0,60 Schweizer Franken (CHF). Zuletzt kam die mobilezone-Notiz sogar ein wenig stärker unter Druck. Langfristig, etwa über die vergangenen zehn Jahre, sieht das Bild schon nicht mehr ganz so eindeutig aus. Während der Kurs von freenet seit 2003 eine wilde Achterbahnfahrt hinlegte, kletterte die Notiz der mobilezone-Aktie treppenförmig an.

Signifikant sind auch die Unterschiede bei der Marktkapitalisierung. Mit rund 2,3 Mrd. Euro ist freenet ein Riese gegenüber mobilezone, die es auf Euro-Basis gerade mal auf gut 271 Mio. Euro bringen, also etwas mehr als ein Zehntel. Allerdings entspricht der Schweizer Markt mit gut acht Millionen Einwohnern auch lediglich einem Zehntel des deutschen Markts mit rund 80 Millionen Einwohnern. Differenzen gibt es auch im Aktionariat. War die Vorgängergesellschaft der freenet AG, die MobilCom – was Aktien und Unternehmensführung angeht – noch klar vom Gründer Gerhard Schmid dominiert, so ist der Aktionärskreis von freenet heute eher durch wenige institutionelle Investoren geprägt. Nennenswert sind hier der ebenfalls im TecDAX gelistete Mitbewerber Drillisch mit der MSP Holding GmbH, welche nach gescheitertem Übernahmeversuch nur noch weniger als drei Prozent der Aktien halten, und der norwegische Staatsfond mit rund drei Prozent, sowie die Vermögensverwalter Flossbach von Storch AG mit rund fünf Prozent und Polaris Capital Management mit drei Prozent.

Bei mobilezone hingegen dominiert der Schweizer Financier Martin Ebner, nebst Gattin, welche über das Investmentvehikel Patinex AG derzeit 21,5 Prozent der Aktien kontrollieren. Weiterer Großaktionär ist mit fünf Prozent die Capital Group. Außerdem ist bei mobilezone noch der Einfluss des Gründers Ruedi Baer und der Mitbegründer, der Familie Lehmann zu spüren, welche mit Hans-Ulrich Lehmann im Verwaltungsrat (entspricht dem deutschen Aufsichtsrat) und mit dessen Sohn Martin Lehmann als CEO prominent vertreten sind. Laut offiziellen Angaben sind sie zwar nicht mehr in nennenswerten Umfang an der mobilezone Holding AG beteiligt. Doch die Gemengelage ist nicht ganz eindeutig. Fakt ist, dass die kürzlich von mobilezone übernommene Mobiletouch AG von der Lehmann Holding AG bzw. deren Tochter, der Mobile Solutions AG, an mobilezone verkauft wurde, was aber mit keiner Silbe in der Pressemeldung erwähnt wird – dafür aber auf Seite 64 des aktuellen Geschäftsberichts der mobilezone Holding AG. Dort erfährt der Anleger auch, dass diverse Immobilien der mobilezone und ihrer Töchter von einem Ableger der Lehmann Holding gemietet sind. In Sachen Transparenz könnte die mobilezone AG hier also noch nachbessern.

mobilezone
Chart: Market Maker

Auch wenn der Handelsumsatz bei mobilezone im ersten Halbjahr leicht rückläufig war, kletterten die Erlöse dank Servicedienstleistungen, welche allein um 44 Prozent wuchsen, leicht um 1,9 Prozent. Beim Gewinn legte mobilezone gar um 19 Prozent zu, was den Aktienkurs zwischenzeitlich befeuerte und ans obere Ende der Tradingrange trieb. Getrübt wird der Sechs-Monats-Bericht nur durch die Reduzierung des Eigenkapitals in Folge der Mobiletouch-Übernahme. Da der Servicebereich aber der Umsatztreiber im vergangenen Halbjahr war, und nach Unternehmensangaben auch bleiben wird, ist dies zu vernachlässigen. Zumal der Vorstand an einer dividendenfreundlichen Politik festhalten will. Die Rendite auf Basis der 2012er-Dividende beträgt immerhin rund 6,5 Prozent. Auch freenet konnte dank der Gravis-Übernahme zum Halbjahr glänzen. Allerdings hatte die Aktie hier bereits viel vorweg genommen, so dass sich die freenet-Papiere derzeit auf Konsolidierungskurs befinden. Aber auch in Büdelsdorf schaut das Management zuversichtlich in die Zukunft und will an den attraktiven Ausschüttungen nicht rütteln.

Mit der Schweizer Dividendenperle mobilezone bekommen Anleger einen solide aufgestellten Mobilfunkpionier ins Depot und profitieren zudem von der Sicherheit des Schweizer Franken. Geschäftsmodell und Bilanzstruktur ähneln in Zügen denen der deutschen freenet. Beide Unternehmen setzen verstärkt auf Service, wenn auch auf unterschiedliche Weise: freenet mit Zusatzdiensten wie „SmartHome“, mobilezone mit Reparatur- und Support für mobile Geräte. mobilezone und freenet wollen ihren Kunden immer das Neuste und Beste bieten und verfolgen eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Allerdings erscheint durch den personell bedingten Interessenkonflikt (Unternehmenskauf von und Mietzahlung an Lehmann Holding) das Einsparpotenzial bei mobilezone derzeit begrenzt. Das Potenzial an Einsparungen wurde bei freenet bisher jedenfalls konsequenter genutzt als bei mobilezone, was sich im höheren Gewinnwachstum bei freenet zeigt, während mobilezone hier eher stagniert. Auch bei der Dividendenrendite und -dynamik hat freenet derzeit einen leichten Vorteil.

freenet
Chart: Market Maker

Und beide zusammen? Eine Übernahme der mobilezone Holding durch freenet ist zwar strategisch reizvoll, passt es doch in freenets Kerngeschäft, ist aber laut Äußerungen von freenet-Finanzchef Joachim Preisig bisher wohl eher nicht geplant, da der Preis weit über den 10 bis 20 Mio. Euro liegt, welche Preisig in einen Interview im April für etwaige Übernahmen als Größenrahmen nannte. Wer also eine Dividendenperle in Schweizer Franken sucht, ist bei mobilezone gut aufgehoben. Alle anderen Parameter, darunter auch das KGV, sprechen derzeit eher für freenet. Aus charttechnischer Sicht wiederum erscheint mobilezone derzeit interessanter. Der Kurs ist eher unten als oben und gen Süden durch eine Unterstützung bei 9,00 CHF gut abgesichert, während sich freenet in luftigen Höhen bewegt, was aber seine Berechtigung hat, wie der Bericht zum ersten Halbjahr 2013 zeigt.

Bei Redaktionsschluss erhalten wir noch die Meldung, dass der bisherige Finanzvorstand Markus Bernhard neuer CEO bei mobilezone wird und der bisherige Chef, Martin Lehmann, sich nach 14 Jahren bei mobilezone neu orientieren will. Einschneidende Veränderungen wird die Personalie nicht bringen. Zum einen sind Lehmann und Bernhard langjährige Weggefährten, zum anderen bleibt mit Hans-Ulrich Lehmann der Familieneinfluss im Verwaltungs- beziehungsweise Aufsichtsrat erhalten.

Dieser Artikel erschien zuvor als Gastbeitrag für boersengefluester.de

2 Gedanken zu „mobilezone | die schweizer freenet?“

Kommentare sind geschlossen.