mobilezone | nach Rekordumsatz und Übernahme

SchweizNeue Besen kehren gut. Nach dem Rückzug der Familie Lehmann aus Aufsichtsrat und Vorstand konnte der neue CEO, Markus Bernhard, in seinem ersten Amtsjahr an der Spitze der Schweizer mobilezone Holding richtig loslegen. Als erstes fiel das Tabu der Geschäftschließung. Statt auf Expansion um jeden Preis setzte Bernhard eher auf Effizienz, und war sich nicht zu schade, auch schon mal unrentable Läden zu schließen. Als nächster Coup folgt dann die beeindruckende Rückkehr auf die Erfolgsspur, und schlussendlich der Einstieg auf den deutschen Markt mit der Akquisition von einsAmobile.

Markus Bernhard, vormals Finanzvorstand der Schweizer mobilezone Gruppe und seit rund einem Jahr neuer Vorstandschef (engl.:CEO) bei mobilezone, hat nichts anbrennen lassen und gleich Butter bei die Fische getan, wenn man sich seinen Leistungsnachweis fürs erste Dienstjahr ansieht.

Wie bereits im August 2013 unter der Überschrift „Mobilezone – die Schweizer Freenet?“ berichtet, hatte Familie Lehmann auch nach den Börsengang der mobilezone nennenswerte Anteile am Unternehmen gehalten, welche aber, wie von mir vermutet, unter der Grenze der gesetzlichen Meldepflicht lagen. Nicht von ungefähr stellte Familie Lehmann lange Zeit den Aufsichstrats- und den Vorstandsvorsitzenden der mobilezone Holding. Aus dieser Gemengelage heraus unterstellte ich damals einen gewissen Sättigungsgrad, was die Geschäftsführung anging. Das ich nicht ganz falsch lag, zeigt das Feuerwerk an Erfolgsmeldungen, das der neue CEO hier gerade abbrennt.

Nach den Rückzug der Familie Lehmann sind nun Rosmarie und Martin Ebner mit Ihren Investment-Vehicle Patinex (26,8%), sowie Hansjörg Graf mit der ihm zuzurechnenden Grapal Holding (3,4%) als maßgebliche Aktionäre der mobilezone Holding zu nennen. Ein Einfluss Ebners auf den Rückzug der Familie Lehmann ist nicht bekannt. Wohl aber, dass Markus Bernhard ein Bewunderer Ebners ist, und das Ebner seinen Anteil an mobilezone von 21,5 auf nun 26,8 Prozent anhob und damit auch über der Sperrminorität von 25% liegt. Beides ist dabei gewiss nicht von Nachteil, dürften doch die Interessen des Financier deckungsgleich mit der aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik bei mobilezone sein.

„Finanz und Wirtschaft“ beschreibt Markus Bernhard als „Mobilephone-Verkäufer mit Börsengefühl“. „Börsengefühl“ oder finanzieller Sachverstand – unter Bernhards Führung hat mobilezone den Umsatz für das Geschäftsjahr 2014 von CHF 328 Mio. um 18,3% auf CHF 388 Mio. gesteigert. Der Vorsteuergewinn legte im selben Zeitraum um 12,8% von CHF 25,5 Mio. auf CHF 28,8 Mio. zu. Auf Aktienbasis erreichte mobilezone somit einen Gewinn pro Aktie von CHF 0,71 (Vorjahr CHF 0,62), wovon kürzlich CHF 0,60 je Aktie als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wurde. Das entspricht einer aktionärsfreundlichen Ausschüttungsquote von 85% bei einer Dividendenrendite von derzeit immer noch 3,7%. Und das nach einem Kursanstieg von über 50% seit Jahresbeginn 2015.

Bernhard will nach eigenen Aussagen künftig „mindestens 90% des Gewinns auszuschütten“. Was in Hinblick auf die jüngste Akquisition in Deutschland sehr appetitanregend klingt.

Ende März 2015 meldete mobilezone die Übernahme der einsAmobile GmbH. Die Schweizer übernehmen 100% der Anteile zu einem fremdfinanzierten Kaufpreis von voraussichtlich CHF 70 Mio.. Der Kaufpreis hat erfolgsabhängige Komponenten und lässt sich daher noch nicht genau beziffern. Die Stückzahl von 32.195.697 ausgegebenen Aktien soll aber nicht verändert werden, denn eine Kapitalerhöhung ist nicht vorgesehen.

Laut mobilezone erzielte einsAmobile im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von EUR 400 Mio. und erreichte damit einen Gewinn vor Zins und Steuern (EBIT) von rund EUR 14 Mio.. Die mobilezone Holding wird mit der Übernahme ihren Umsatz mehr als verdoppeln, den Gewinn auf EBIT Ebene aber „nur“ um knapp 50% auf dann rund CHF 43 Mio. steigern können. einsAmobile ist somit umsatzstärker als mobilezone, erreicht dabei aber eine wesentlich geringere EBIT-Marge als die Schweizer. einsAmobile wird ab 1. April in die Konzernrechnungslegung der mobilezone eingebunden und sollte für 2015 schon gut CHF 10 Mio. beifügen. Davon sind zwar zum einen noch die Finanzierungskosten zu decken, zum anderen darf man aber sicher davon ausgehen, das mobilezone seine Erfahrungen einbringen wird, um auch bei einsAmobile auf eine höhere EBIT-Marge zu kommen, was dann zu entsprechend höheren Ergebnisbeiträgen führen sollte.

Rutergebrochen auf die einzelne Aktie gehe ich für 2015 von einem Gewinn von 0,89 CHF/Aktie aus, sowie von rund 1,12 CHF/Aktien für 2016, da 2016 der volle Ergebnisbeitrag erstmals zum Tragen kommt. Bezugnehmend auf Bernahrds o.g. Aussage zur Mindestausschüttung in der „Finanz und Wirtschaft“ erwarte ich für 2015 eine Dividende von mindestens 0,77 CHF/Aktie bzw. mindestens 0,99 CHF/Aktien für 2016. Bezogen auf das Jahr 2016 hieße das, die Aktien der mobilezone wären dann mit einem KGV von 14,3 bzw. einer Dividendenrendite von 6,2% bewertet.

mobilezone
mobilezone | 10 Jahre | Chart: Market Maker

Dem Versuch, in Deutschland Fuß zu fassen, sollte diesmal mehr Glück beschieden sein, als bei der zurückliegenden Übernahme der Otto-Boenicke-Läden in 2001. Allein schon, weil diesmal ein bereits florierendes Geschäft aus der Mobilfunkbranche übernommen wird, und kein, wie auch immer gearteter Gemischtwarenladen, wie damals. Allerdings erinnert mich das Szenario auch etwas an den Versuch von mannesmann D2 Ende der 1990er Jahre in Großbritannien Fuß zu fassen, der Heimat von Vodafone. Die Briten waren nicht so „amused“ und schluckten in einer spektakulären Übernahmeschlacht den Eindringling, der seit dem auch in Deutschland unter Vodafone firmiert.

Könnte sein, dass sich auch hierzulande einige Mitbewerber provoziert oder eingeladen fühlen, sich den neuen Mitbewerber auf den deutschen Markt mal näher anzusehen. Als aggressive Spieler kommen einen da als erstes United Internet oder Drillisch in den Sinn, aber auch eine freenet gilt als potentieller Aufkäufer. Nicht ohne Grund fragte ich in meinem Beitrag aus dem Jahr 2013, ob mobilezone die Schweizer freenet sei. Mit Blick auf die HV/GV möchte man spontan sagen: „mitnichten“. Denn bei mobilezone sitzen zur Hauptversammlung ungefähr so viele Leute im Publikum, wie bei freenet schon allein auf dem Podium. Allerdings bietet die beschauliche Runde auch die Möglichkeit der flüchtigen Bekanntschaft mit so prominenten Investoren wie Martin Ebner, oder dem Smalltalk mit den Vorstand beim anschließenden Imbiss.

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