Opera | Rußlandkrise im Handyformat

Opera SoftwareVierundvierzig Prozent stürzte die Aktien der Opera Software ASA (Opera), der norwegischen Browser-Schmiede, vorgestern in die Tiefe. Fast die Hälfte des Firmenwertes wurde nach Vorlage der Zahlen für 2014 ausradiert. Opera hätte schon Pleite gehen müssen, um eine solche Überreaktion zu rechtfertigen. Dementsprechend ging es gestern auch um bis zu 15% wieder steil bergauf.

Was war passiert? Opera hatte zum einen die Erwartungen der Analysten für 2014 und 2015 verfehlt und zum anderen die eigenen Erwartungen für 2015 auch noch reduziert. Eine Gemengelage, die bei einen Nebenwert wie Opera, den nur wenige Analysten beobachten, schon drastische Folgen haben kann.

Zum einen haben die Analysten im Konsens einen höheren Gewinn für 2014 erwartet, zum anderen lag die Konsensschätzung für den Umsatz in 2015 bei 765 Mio. U$, wohingegen Opera die eigenen Prognosen noch mal von 670 auf 630-650 Mio. U$ revidierte. Eine Schätzung, die der Finanzvorstand als „pretty careful“ bezeichnete. Sehr vorsichtig geschätzt sind auch die Erwartungen, die Opera hinsichtlich des Gewinns hat. Hier wurden die eigenen Prognosen von zuvor 180 Mio. U$ auf nun 130-150 Mio. U$ reduziert.

Als Grund für das verfehlte Ergebnis in 2014, sowie für den bescheidenen Ausblick auf 2015 wurden maßgeblich die Ereignisse in der Ukraine und die damit einhergehenden Wirtschaftssanktionen in Russland genannt. Russland und die Ukraine sind die zwei größten Märkte für die Opera Browser, und somit für die daraus resultierenden Umsätze bei mobiler Werbung und App-Verkäufen. Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen belasten auch die Wechselkurse, namentlich der schwache Rubel und der schwache Euro, die Bilanz. Denn Opera sitzt in Norwegen, bilanziert aber in US-Dollar. Für das schwache 2014er Ergebnis wurde noch ein einmaliger Sondereffekt verantwortlich gemacht, nämlich die Abschreibung des 2013 übernommenen Mobile-Video-Spezialisten Skyfire.

Aufgrund der kriegsbedingten Wirtschaftsschwäche in den Hauptabsatzmärkte, sowie der ungünstigen Währungssituation, geht man also von rückläufigen Umsätzen aus. Auch wenn sich diese Szenarien schnell ändern können – zum Guten, wie zum Schlechten – sollen jetzt die Fakten, sprich: die Zahlen betrachtet werden.

Obgleich die Dynamik etwas nachließ, ist das Eigenkapital(EK) in den letzten Jahren stetig gewachsen. Selbst 2014 legte das EK noch um gute 17% p.a. zu. Das die EK-Quote dabei von 59% in 2013 auf nur noch 45% in 2014 absackte ist misslich, aber immer noch ein stolzer Wert. Allein das Eigenkapital macht 2,56 U$ pro Aktien aus, welche derzeit bei umgerechnet 8,05 U$ notiert.

Opera-Crash
Chart: Market Maker

Der 2014er Gewinn bzw. Verlust je Aktie wird von Opera mit -0,424 U$ angegeben. Eine herbe Enttäuschung, die mit Blick auf den Ukraine-Konflikt und die derzeitigen Währungsverzerrungen so aber weder vom Management noch von den Analysten vorhersehbar war. Ausgehend von den gestern gegeben Ausblick aufs laufende Geschäftsjahr darf der Anleger 0,94 U$/Aktie erwarten – und das wurde von Erik C. Harrell, CFO bei Opera, sehr konservativ geschätzt. Allerdings nur auf EBITDA Basis, ohne Berücksichtigung der Options-Programme oder etwaiger Akquisitionskosten (man beachte das wirklich Kleingedruckte). Zieht man daher noch mal grob geschätzt 33% ab, um auf einen Gewinn pro Aktie zu kommen, erhält man 0,63 U$/Aktie. Sollte Opera die alte Dynamik wiederfinden, darf für 2016 ein Gewinnzuwachs von wenigstens 20% erwartet werden, was ein Gewinn pro Aktie von 0,76 U$ entsprechen würde. Damit wäre die Aktien der Opera Software ASA aktuell mit dem 12,7 bzw. 10,6 fachen Ihres Gewinns bewertet, was bei entsprechenden Geschäftsverlauf ein Erreichen der alten Höchststände erlauben würde. Sollten die diversen Krisen aber anhalten oder sich gar verschärfen, sind alle Analysen vergebens und wiederholte Verluste nicht ausgeschlossen.

Auf dem derzeitigen Niveau ist Opera wieder einen Blick wert, auch wenn einzelne Rückschläge zur Auslotung der Tiefstständen nicht ausgeschlossen werden können und als Kaufgelegenheit genutzt werden dürfen. Mehr über die einzelnen Geschäftsfelder von Opera zeige ich in meinen Artikel „Opera Software ASA | An Almost All-in-one Investment“ auf, welcher 2013 für Seeking Alpha in Englisch geschrieben wurde.

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Der Autor bzw. die von ihm betreuten wikifolios halten Aktien der Opera Software ASA.

Dieser Artikel erschien auch als Diskussionsbeitrag für die Finanz-Community wallstreet:online, sowie in Auszügen beim Schweizer Anleger-Portal ErfolgreichInvestieren.CH

Image: Opera Software ASA

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