Skandinavien | Stockpicker im Vorteil | Nokia im Visier

Scandinavian FlagsDie lange Polarnacht legt sich über den nordischen Aktienmarkt. Fast pünktlich zum Jahresende geht die Party, in manchen Fällen auch die Geduld, bei skandinavischen Akten dem Ende zu. Der Depotanteil der Nordlichter wurde dementsprechend reduziert.

Fast erwartungsgemäß sind nur noch die Langfrist-Favoriten im five-alive portfolio bzw. – wikifolio verblieben, nämlich Telenor aus Norwegen und die schwedische Investor AB. Außerdem noch mit dabei: Bakkafrost von den Färöer-Inseln.

SIMcorp und ABG Sundal kamen nicht vom Fleck und begannen dann auch noch zu schwächeln. DFDS liefen gut. Als aber bei DFDS jedoch die Trendlinie gebrochen wurde, zogen wir auch hier die Reißleine und nahmen die Gewinne mit. Ähnliches gilt für A.P. Møller-Mærsk, die nach miesen Quartalszahlen zu schnell an Höhe verloren und zurück auf „Los“ gehen musste, wo wir und uns dann von den Dänen wieder verabschiedeten. Zwar darf man annehmen, dass Møller-Mærsk in einem weiteren Anlauf den Weg gen Norden wieder schaffen werden, doch ist das Risikoprofil derzeit nicht nach unserem Geschmack. Gleiches gilt für ABG, wo die Dividendenpolitik den entscheidenden Ausschlag zu Investition gab, der schwächelnde Kurs aber die positiven Effekte egalisiert.

Kurz zur Einordnung: AGB Sundal hätte bei gleichbleibender Ausschüttung eine Dividendenrendite von rund zehn Prozent. Positiv hervorzuheben ist, dass man bisher auch in schlechten Jahren eine „Mindestdividende“ von 0,50 NOK zahlte. Schade nur, dass die Dividenden gern auch mal aus der Substanz gezahlt werden, was dann das Eigenkapital und somit den Buchwert der Aktie mindert und sich vermutlich derzeit auch im Chart abzeichnet. Allerdings liegen hier bei NOK 4,65 und 4,20 Unterstützungsmarken in Form steigender Trendlinie voraus, woraus sich Chancen ergeben könnten. Derzeit notiert AGB bei rund 4,80 NOK.

Nicht zu vergessen: Bakkafrost. Die Aktie der Lachsfarmer von den Färöer-Inseln klettert wie aufgezogen an der aufsteigenden Trendlinie empor. Und dies trotz zwischenzeitlicher Meldung einer Virusinfektion in einer Zuchtanlage. Solange der Trend intakt ist, gilt es, wie bei Telenor und der Investor AB, Gewinne laufen zu lassen.

Telenor und Investor zeigen zwar eine kleine Berg- und Talfahrt, bewegen sich aber bisher noch in den erwarteten Grenzen. Einzig Nokia nahmen wir mal wieder hinzu – nicht aus alter Liebe, sondern weil zum einen die Anziehungskraft von Ericsson verlockt, und zum anderen die zum Mobile World Congress (MWC) avisierten neuen Nokia Smartphones aufhorchen lassen. In Sachen Ericsson erweckte der erstarkte Einfluss der Familie Wallenberg, aus deren Dunstkreis auch der neue Ericsson CEO Börje Ekholm kommt, meine gesteigerte Aufmerksamkeit.

Ekholm war zuvor lange Zeit Präsident und CEO der Investor AB, dem Anlage-Vehicle der Familie Wallenberg. Die Investor AB ist seit 1950 mit heute gut fünf Prozent bei Ericsson investiert und kontrolliert 21 Prozent der Stimmrechte. Eine Affinität der Wallenbergs zu Finnland findet sich nicht nur in der Biographie von Marcus Wallenberg sen., sondern auch in der aktuellen Beteiligung der Investor AB am finnischen Maschinenbauer Wärtsilä. Das mit Timo Ihamuotila gerade ein hochrangiger Nokia-Manager zu der zum Investor-Portfolio zählenden ABB wechselte ist nur ein weiterer Stein im Mosaik, welches vielleicht einmal die schwedische Ericsson vereint mit der finnischen Nokia zeigt. Die Einschläge kommen näher und eine pannordische Macht im Mobilfunkwesen hätte bei der asiatischen Marktdominanz dieser Tage wahrscheinlich auch keine Probleme vom Kartellamt zu befürchten. Auf dem aktuellen Niveau ist Nokia für uns immerhin eine Wette wert.

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