wallstreet:online | Plan B

w:oAls im Sommer 2016 die Meldung über die Ticker lief, André Kolbinger, Gründer und seinerzeit Vorstandsvorsitzenden der wallstreet:online AG, wolle seinen gesamten Anteil an der wallstreet:online AG an die japanischen Minkabu verkaufen, immerhin rund 73 Prozent, fand ich dies einerseits sehr schade, andererseits aber auch irgendwo verständlich, dass jemand nach knapp 20 Jahren bei wallstreet:online, mit allen Höhen und Tiefen, auch mal was anderes tun möchte. Der Schritt hätte für den Gründer in seiner vermeintlichen Lebensmitte den Gewinn von genügend Liquidität für neue Projekte, und für wallstreet:online den Verlust seines Schöpfers und Lenkers, bedeutet.

Was den Verlust für wallstreet:online angeht, so hat man mit dem neuen Vorstandsteam eine scheinbar gute Wahl getroffen, was sich u.a. durch die Ausweitung des transaktionsbasierten Geschäftsmodells mit der geplanten Übernahme des Finanzportals börsennews.de zeigt.

Was den Gewinn für Kolbinger angeht, so hat dieser offensichtlich ein lohnenderes Investment gefunden, als wallstreet:online. Oder zumindest eines, was ihm mehr Zeit für andere Dinge lässt. Im Trend bei Hauptstadt Entrepreneuren liegen derzeit Immobilien (siehe Samwer-Brüder), wofür auch die Kolbinger Immobilienhandel GmbH sprechen würde. Hier bedienen wir uns aber der Spekulation, welche mit Blick auf André Kolbinger Privatsphäre auch gleich wieder beendet wird.

Nachdem nun Plan A mit den vermeintlicher Ausstieg via Verkauf an Minkabu fehl schlug, musste jetzt mit Plan B das Geld via Kapitalschnitt fließen. Eine Variante, die für Herrn Kolbinger vielleicht etwas weniger Liquidität verspricht, mir als Börsianer aber wesentlich besser gefällt. Den zum einen bleibt der Gründer mit seiner Expertise dem Unternehmen als Aufsichtsrat erhalten und zum anderen bleiben auch die Mehrheitsverhältnisse im Aktionariat unberührt, was für eine Fortsetzung des eingeschlagenen Weges spricht. Darüber hinaus haben bei einem Kapitalschnitt, anders als beim zuvor geplanten Verkauf, alle Aktionäre was davon. Und laut Kolbinger ist auch nach Plan B auf absehbare Zeit kein Delisting oder Verkauf geplant. So war zumindest noch im Sommer zu hören.

Nachdem nun der Kapitalschnitt erfolgreich umgesetzt wurde, die Aktionäre ihre Ausschüttung erhielten und die Aktie im Verhältnis 5:2 umgestellt wurde, notiert die wallstreet:online AG seit Ende Oktober in einer Trading Range zwischen 30 und 35 Euro, und es zeigt sich: Plan B muss nicht immer die zweitbeste Lösung sein. Man darf sich auch manchmal fragen: warum nicht gleich so.