wallstreet:online | zwischen Squeeze -Out und Kursrakete

w:oDie Aktien der Berliner wallstreet:online AG, nach eigenen bekunden Deutschlands führende Finanz-Community, mäandert derzeit irgendwo zwischen Squeeze-Out und Kursrakete. Die Marktenge und ein Minimum an öffentlicher Wahrnehmung in Bezug auf die Aktie, lässt bei wallstreet:online beide Extreme zu. Nun ist Herr Kolbinger, Vorstand und Gründer von wallstreet:online (w:o) dieser Tage erst 40 geworden – Happy Birthday auch von dieser Stelle – und hat sicher noch einiges vor, so dass ich spekulativ auf letzteres hoffe, also den Erhalt der Börsennotiz und eine positive Geschäftsentwicklung bei hoffentlich steigenden Kursen.

Die Vorzeichen dazu sehen jedenfalls nicht schlecht aus. Neben diversen Verbesserungen der Webseite, welche sich allerdings oft für den Nutzer unsichtbar im Backend (Datenbankanbindung, Serverlandschaft, Redaktion etc.) abspielen, wurde auch eine Smartphone-App entwickelt, die nach meinen subjektiven Dafürhalten modern und übersichtlich daher kommt, und schon einiges an Nutzwert für die w:o Nutzer an Bord hat, auch wenn die meines Erachtens nach wichtige Watchlist-Funktion noch fehlt. Außerdem hat Herr Kolbinger, Vollblut-Börsianer der er nun mal ist, die ersten Wochen des Jahres dazu genutzt, um sich mit so ziemlich jeden namhaften Akteur am Finanzmarkt, der nicht eh schon in seinem Adressbuch stand, via Xing zu vernetzen und so sein Netzwerk und die Reichweite von w:o auszubauen. Es sollten also demnächst weitere Kooperationen mit Banken oder Finanzmedien publik werden, bei welchen w:o als Content-Lieferant agiert. Die derzeit gute Börsenstimmung und die versiegenden Zinsquellen sollten dem Anleger-Portal ohnedies in die Hände spielen.

Erwähnenswert ist vielleicht auch noch eine Personalie bei w:o. Mit Sven Boschert verstärkt seit Anfang Februar ein alter Weggefährte Kolbingers den Vorstand. Boschert verfügt über profunde Kenntnisse in der Online-Wirtschaft und hat schon andere Projekt aufgezogen. Das durch die stärkere Involvierung Boscherts der Free Float der Aktie leidet, steht nicht zu befürchten, da er schon länger im Dunstkreis Kolbingers aktiv ist und genügend Zeit hatte, sich entsprechend zu positionieren. Da offiziell und auf Anfrage keine Beteiligung bekannt ist, müsste sein Engagement entweder unter der Meldepflicht von drei Prozent der Stimmrechte bzw. Aktien liegen oder aber das Interesse tendiert gegen Null, was nicht gerade für die Aktie bzw. die Motivation des Co-Vorstand sprechen würde.

Die Anstrengungen von André Kolbinger und seinen Mitstreitern sind unübersehbar und dazu angetan, die wallstreet:online AG wirtschaftlich voran zu bringen. Ob das auch den freien Aktionären nützt, ist hingegen nicht so sicher. Die wallstreet:online AG ist ein Familienunternehmen mit Börsennotiz. Auch wenn ich eigentlich ein Fan von eigentümergeführten Unternehmen bin: Familie Kolbinger hält nach wie vor rund 75% der Anteile. Da zum einen die Marktkapitalisierung mit 3,7 Mio. Euro recht gering ist und zum anderen ein externer, einflussreicher Investor fehlt, der auf entsprechende Kurspflege achtet, besteht die Gefahr, dass die Interessen der Familie deutlich im Vordergrund stehen, so dass eine entsprechende Verteilung der Mittel oder gar ein Delisting oder Squeeze-Out nicht ganz abwegig ist. Etwas mehr Free Float oder Marktkapitalisierung bei der Aktie, und mehr Aufmerksamkeit durch Finanzmedien und Analysten würden hier ggf. Abhilfe schaffen.

w:o chart

Chart: Market Maker

Über die Markttechnik muss man bei einem so marktengen Wert wie w:o keine großen Worte machen, da die Aussagekraft bestimmter Chartmuster hier mit Vorsicht zu genießen ist. Interessanter sind da schon einige fundamentale Details. So ist die Eigenkapital-Quote zum Halbjahr 2014 mit 87 Prozent mehr als beachtlich. Zum Halbjahr 2013 lag die Quote noch bei ebenfalls beachtlichen 75%. Hier machte sich der massive Schuldenabbau bemerkbar. Bewertet wird die Aktie derzeit mit dem 2,3-fachen des Eigenkapitals und dem 24-fachen des für 2015 erwarteten Gewinns pro Aktie von 0,02 Euro. Das Vorjahr schloss w:o mit einem Verlust von rund 0,004 EUR/Aktien ab, bei einem Umsatzanstieg um 60.000 EUR bzw. 2,7%. Die offiziellen Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor. Ein Schnäppchen sieht anders aus. Wer aber antizyklisch die Perlen am Grund auflesen möchte, kann hier eine Wette auf Social Trading und Crowdinvesting mit reichlich Kursphantasie eingehen.

Image: wallstreet:online AG