Wozu braucht Nokia Microsoft?

Nokia hat es wieder mal bewiesen: Die Finnen können noch immer spitzen Smartphones bauen! Das derzeitige Flaggschiff der Finnen, das Nokia Lumia 920 kommt mit dem derzeit schärfsten Display daher, verfügt über eine der besten Navigationslösungen auf Smartphones und hat die mit Abstand beste Kamera an Bord. Obgleich: Experten streiten sich noch, ob nicht doch das Nokia 808 PureView die beste Smartphone-Kamera hat. Letzteres läuft im übrigen mit dem von Nokia CEO Elop für tot erklärten Symbian Betriebssystem. Totgesagte leben eben doch länger. Und im Falle von Symbian kann man getrost hinzufügen, dass das Beste zum Schluss kam, wenn man sich Geräte wie das Nokia N8, E7 oder das gerade genanntes Nokia 808 PureView ansieht.

Zumindest drängt sich die Frage auf: Wozu brauchen die Finnen Microsoft?

Mit 1280×768 Pixeln ist der Bildschirm von Nokia´s Flaggschiff, dem Lumia 920, nicht nur schärfer als Apple´s Retina-Display, er ist mit 4,5 Zoll auch um einiges größer. Das hätte man auch ohne Microsoft hinbekommen!

Den Formfaktor der Lumia-Reihe haben die Finnen ihren Erfolgsmodell, dem auf MeeGo basierenden Nokia N9, entliehen, dessen Entwicklung schon vor dem Schmusekurs mit Microsoft begann. Auch hierzu bedurfte es keiner Hilfe aus Amerika.

Das Fotografie und Mobilität zusammen gehören, hat man bei Nokia schon im Jahr 2004 gewusst. Als man bei Microsoft noch an Windows Mobile 5.0 arbeitet um Powerpoint aufs Handy zu bringen, haben sich die Finnen schon mit Carl Zeiss zusammen getan. Das erste Resultat aus der Kooperation, war das Nokia N90 im Jahre 2005.

Navigation gab es bei Symbian schon, als Symbian selber noch die Softwareabteilung des PDA-Erfinders Psion war, lange bevor es ausgelagert und von Nokia zum Quasi-Betriebssystem erkoren wurde. Damals, 1998, kam die Navigationslösung mit GPS von einen kleinen holländischen Unternehmen Namens Palmtop Software, heute besser bekannt als tomtom. 2006 übernimmt Nokia mit der berliner gate5 AG einen Softwarespezialisten für Navigation und Locale-Based-Services, und kauft Ende 2007 noch den Kartenanbieter Navteq dazu. In der Folge wird unter der Marke Ovi Maps der hauseigene Navigationsdienst offeriert, der erste dieser Tage zu HERE umgetauft, nun auch für Apple- und Android-Freunde nutzbar ist. Auch diese Entwicklung bedurfte keiner Kooperation mit den Nerds in Redmond.

Wozu dann also glaubt der Nokia-Chef, bräuchte er Microsoft? Selbst das, was man heute Cloud-Dienste nennt, hatte Nokia mit seinen Ovi genannten Onlinediensten bereits vor Beginn der Liaison mit dem Imperium im Angebot. So konnte man auch ohne den späteren Partner aus Redmond online seine Termine und Kontakte, Medien und Reiserouten pflegen und synchronisieren.

Alles ging und geht auch ohne Microsoft. Und: Nokia´s Flaggschiff ist ein spitzen Handy! Ich glaube jedoch der Coolness-Faktor wäre um einiges höher, wenn nicht gerade Microsoft auf dem Etikett stehen würde.